Predigt zum 4. Advent

Liebe Gemeinde,

schauen Sie auf dem Bild von Sieger Köder nach oben links –

auf die weißen Hände. Mit ihnen fange ich an.

Genau das ist es: Das war der Anfang und ist es ständig.

Da sind wir beim Wichtigsten.

Was im Evangelium kommt und was mit Jesus gekommen ist,

bezeichnet unseren Glauben:

Gott macht den Anfang. Gott ergreift Initiative.

Gott macht, Gott gibt. Immer wieder Gott.

Was Heil und Segen ist, geht von Gott aus.

Die Gnade nennt es das Evangelium. Oder einfach –

wenn wir beim Bild bleiben:

Gott freut sich an Maria. Er mag sie. Er wendet sich ihr zu.

Ja, sie ist besonders gegrüßt vom Engel, Gott ist mit ihr, er ist da, sie ist gesegnet unter den Frauen.

Mit Maria geschieht doch was – ausgewählt für das „Projekt Jesus“:

Der über Israel herrscht und Sohn Gottes ist. Auf Erden.

Wir ahnen, was das in der jungen, heiratsfähigen Maria, die mit Josef verlobt, quasi verheiratet ist, auslöst –

Blickwechsel:

Marias offene Hände, ihr Gesicht der Bereitschaft, Ohren, die hören. Gott ist auch für sie fremd, sie ist überrascht und verwirrt mit der Ansage des Engels. Jetzt zeigt sich ihr Bild von Gott, ihr Glaube:

Alles geht von Gott aus, also gehe ich auf ihn ein.

Ich suche, was er für mich und andere will.

Ich vertrau drauf: Gott ist gnädig ist, Gott gibt Segen.

Das ist das Jungfräuliche an der Empfängnis:

Gott macht den Anfang und ergreift Initiative.

Er legt seinen Heiligen Geist in uns hinein und über die ganze Welt. Nur das ist gut und wird zum Segen, wenn es von Gott kommt.

Gutes, „Frucht“, erzeugen nicht wir, auch nicht, wenn nicht die anderen „be-fruchten“ uns, sondern wir bringen Frucht aus Gott heraus, durch seinen Heiligen Geist.

Der erwachsene Jesus war von Grund auf von Gottes Geist durchdrungen – dann doch auch von seiner Zeugung an.

Diesen Jesus er-schafft kein Wille, keine Entscheidung, kein Mann.

Es hat mit uns zu tun. Wir sind „Leib Christi“ .

Ich lade zu folgenden Übungen ein:

* Wenn meine Gedanken und Gefühle lebendig

und das Innere in mir auflebt – dann wird Gott in mir lebendig.   Und das – nochmals: unverdient, gnädig, liebevoll.

* Die Grundhaltung leben: Ich glaube an den Gott der Initiative.

Ich vertraue, dass sein Wille mich an-spricht. Ich suche ihn.

„Dein Wille geschehe.“ Ich bin deine Magd, dein Knecht.

* Vernehmen Sie die Regungen im Inneren,

halten Sie´s ruhig aus, auch wenn es Sie überrascht

und verwirrt – mit offenem Blick und geöffneten Händen – wie Maria.

Fragen Sie auch zurück wie Maria den Engel.

Und denken Sie nach. Deuten Sie das Erlebte auf Gott hin.

* Öffnen Sie sich auch für das, wo Gottes Geist in anderen

Menschen lebendig wird. Wenn Sie einander begegnen,

aber auch wenn Menschen etwas lostreten –

wie Einsätze für das Soziale oder die Umwelt oder jetzt im Kampf gegen  Corona.

* Das schließt ein: Auch das Leiden an meiner Schuld und

Schwachheit sind von Gott begnadet und gesegnet.

Gott wandelt sie in seinem Geist, durch dessen Gegenwart und Kraft.

Auf dem Bild sind die Hände Gottes vielleicht auch die des Engels. man erkennt ihn an den Schattierungen des Gewandes drumrum.

Das Evangelium endet:

Danach verließ sie der Engel“.

Wenn Gott sich uns naht, zeigt, was er will, geht er wieder.

Dann ist es an uns, Gottes Willen zu tun.

AMEN.

© Pfr. Wolfgang Braun