Predigt zum 13. So im Jk.

Liebe Mitchristen / liebe Festgemeinde,

„alles wirkliche Leben ist Begegnung“

sagt der jüdische Gelehrte Martin Buber.

Das stimmt: In Begegnungen erfahren wir viel über uns,

über andere, über unser Zusammenleben,

darüber, wie man sich „richtig“ verhält usw.

Aus zufälligen Begegnungen entstehen bewusste Beziehungen – wenn ich mich auf andere „wirklich“ be-ziehe.

Dann besteht unser Glaube auch „nur“ aus Begegnung, oder?

Der Jesus-Glaube ist für uns das „wirkliche Leben“!?

In der Tat – das Evangelium erzählt von Jesus-Begegnungen:

– zufällig trifft Jesus die blutflüssige Frau.

Sie will „nur“ Jesu Gewand berühren.

– Dabei spürt Jesus, „dass eine Kraft von ihm ausströmte“.

–  In der anderen Begegnung „flehte“ der Synagogenvorsteher

Jairus um das Leben seiner sterbenden Tochter.

– Und Jesus reagiert: „Sei ohne Furcht! Glaube nur.“

Jesus verhält sich hier als „richtiger“ Mensch.

Er spürt etwas, er fragt nach, er ist überrascht von den beiden verschieden und tief gläubigen Menschen.

Er ist baff über ihre Suche und staunt gar über ihren Glauben.

Das führt zur Heilung der Frau und zum Zurückkommen in das Leben bei dem jungen Mädchen.

Es geht tatsächlich um das Glauben.

Das besteht weniger aus dem Glauben an die Wunder.

Es geht auch nicht um die richtige und ganze Glaubenslehre.

Der Glaube beginnt hier mit etwas Menschlichem,

was uns alle verbindet; mit ein „Gespür“, ein Glaube,

wie ihn jeder haben kann und wahrscheinlich hat:

ein Glaube, dass das Leben gut und wahr sein soll und

gut und wahr werden kann.

Jesus ermöglicht genau dieses Glauben, er knüpft an dem „Alltagsglauben“ der Menschen an:

Er schafft den Kranken und Betroffenen im Evangelium freien Raum, es entsteht ein neuer Lebensraum.

So wird aus Begegnung Beziehung.

Glauben macht das möglich.

Es ist ein Glaube, der Jesus vertraut:

Erst als die Frau nach ihrer Heilung vor Jesus niederfällt

und „ihm die ganze Wahrheit sagt“;

erst als Jairus mit Jesus die Heilung seiner Tochter miterlebt… –

erst dann kann die geheilte Frau, was Jesus sagt:“

Geh in Frieden.“

Erst dann kann die 12jährige aufstehen und umhergehen.

* Ein „innerer Frieden“, ein mit sich versöhnt und klar sein

* ein „mein Leben in die Hand nehmen und selbständig sein.

Haben Sie´s im Ohr: „Dein Glaube hat dir geholfen.“

Nicht Jesus war es, obwohl er wichtig war:

Es ist der Glaube an sich selbst, an das Gute, das Bessere –  der Glaube an Gott, der darin lebt.

Alles wirkliche Leben ist Begegnung“.

Ich habe lange gedacht, dass wir die Leute in das Gemeindeleben bringen müssen oder in die Gottesdienste.

Mittlerweile glaube ich:

Es geht um Glauben, um Begegnung und Beziehung.

Um die Haltung der beiden.

Eine Haltung, ein „Habitus“, ein Stil zu leben, zu glauben.

Über den dürfen wir bei uns und bei anderen staunen.

Ihn dürfen wir anstoßen, wecken und beleben.

Wie jetzt in der Eucharistie.

AMEN.

© Pfr. Wolfgang Braun