Predigt zum  7. So. der Osterzeit

Liebe Mitchristen,

Jesus hat uns „von seinem Geist gegeben“ heißt es in der 2. Lesung.

Das schließt mir den Zugang zu den Texten heut auf: Jesu Geistes-Haltung war seine Erfahrung mit dem Geist Gottes:„Heilige sie“ – betet Jesus im Ev., dem sog. „Hohepriesterlichen Gebet“ – mit meinen Worten:

Heilige meine Jünger, später die Gläubigen, d.h.: Schenke ihnen die denkbar größte Nähe zu dir. Lass sie tief in dir geborgen sein – von deiner Liebe erfüllt und vor allem von ihr getragen und bewegt. Wie du dich Mose gezeigt hast: „Ich-Bin-Der-Ich-Bin-Da“ oder  „Wo-Du-Bist-Bin-Auch-Ich“…

Das habe ich ihnen, in Deinem Namen gezeigt und vorgelebt

  * als guter Hirte für meine geliebten und umsorgten Schafe“.

  * mit meiner Selbst-Hingabe für sie ans Kreuz.

Spätestens ab dann sind sie endgültig „geheiligt“, wie Jesus sagt, also befreit von Sünde eingeschlossen in deine ewige Liebe, in der das menschliche Bewusstsein mit deiner göttlichen unendlichen Tiefe verbunden sind; in die denkbar größte Nähe zu Gott. Darin sollst er, der Vater, sie bewahren und beschützen, ihre Einheit mit Gott in ein „Wir“ verwandeln. Jesus bittet also. Er betet darum!

Sein Beten bedeutet für mich:

+ Gott selbst bewirkt unsere Einheit mit ihm und untereinander.

+ Je mehr WIR darum beten, umso mehr verwurzeln wir uns im Einheits-Grund, im Geist Gottes und „vernetzen“ uns in ihm.

Das dürfen wir uns heute ermutigend gesagt sein lassen. Die Einheit untereinander und vor allem aus Gott ist notwendig.

Denn die junge Kirche, ja wir als Christen und Kirche heute, sind in dieser Welt sind, aber nicht von der Welt.  Die junge Kirche im Johannes-Evangelium wird sogar von der Welt gehasst!

Also: Kirche und Christen sind gut, in Einheit mit Gott – die Welt, die Gesellschaft ist böse?

Zum Hintergrund: Die Gemeinde des Evangelisten Johannes wird verfolgt. Klar, dass sie Bewahrung und Schutz sucht – gerade durch die geistliche Kraft.

Sie handelt aus ihrer Not wie das Christen in Verfolgungssituationen heut – etwa in arabischen Ländern.

Und wir in unserer „halb-christlichen“ deutschen Gesellschaft handeln in unserer Situation – mit der Liebe, die uns Gott schenkt, um die wir beten und uns redlich bemühen. Drum begeben wir uns gestärkt und auf der Suche nach Gottes Liebe in unsere Welt, wie sie ist und leben Einheit mit Gott und untereinander.

Das ist keine Zwangs-Beglückung oder Zwangs-Missionierung, denn wir bezeugen doch nur das, was Jesus uns schenkt und ans Herz legt:

* durch unseren Lebensstil, unsere Haltung

* durch das Werben für die Liebe Gottes

* und auch, indem wir sie in Welt und Gesellschaft,

entdecken und uns von ihr überraschen lassen.

Bleibt noch die Einheit unter uns, die wir in der Kirche grad erringen. Sie ist getragen und ummantelt von Gottes Liebe. In der Einheit in ihm.

Wir wissen um Streit und Konflikte, darum, dass wir nicht immer in der Einheit mit IHM und untereinander sind. Wir lassen uns von ihr, von Gott, beschenken. Wir beten darum. Wir öffnen uns für sie und streiten im Geiste der Einheit mit der Möglichkeit der Vielfalt, die Liebe Gott sei Dank auslöst und ermöglicht, mit Gott, für die Jesus gestorben, auferstanden und zu Gott froh und dankbar in die Einheit mit Gott heimgekehrt ist. AMEN.

© Pfr. Wolfgang Braun