Predigt zum 1. Advent

Liebe Gemeinde,

„hinter´m Horizont geht´s weiter…“ heißt ein Lied von Udo Lindenberg.
Mir ist das eingefallen, das Bild von Sieger Köder und das Evangelium heute vor Augen.


Den Ausblick auf einen Horizont brauchen wir.
Die Hand auf dem Bild zeigt uns den Weg zum Horizont und dahinter.
Macht damit eine Hoffnung auf. Es wird hell im Bild.

Das Problem: Oft erleben Menschen den Horizont weit weg.
Die Sonne verfinstert sich wie es im Evangelium heißt:
* ohne die Möglichkeit zu gestalten wie gewohnt verdunkelt
Corona zur Zeit einiges.
* Manche verdunkeln selbst: Sie sehen nur schwarz.
Sind vernarrt in schlechte Nachrichten. In Untergangsstimmung.
* Manchen verdunkelt sich die Sonne in der Seele:
Keine Sonne, die Stimmung aufhellt oder positiv sehen lässt.

„Hinter´m Horizont geht’s weiter.“
– Für Christen lockt uns Gott hinter´m Horizont mit seiner Liebe,
die uns vollendet und bei ihm leben lässt – nach Tod und Ende.
– Was hinter dem Horizont ist, ist auch jetzt da:
Wenn das Geheimnis Leben hell macht und Gott kommt
oder ich glaube, dass er gekommen ist.
„Bleibt wach!“ sagt Jesus dazu:
Heißt das Konzentration oder dass man verfolgt, was sich im Innern regt oder dass man Mitmenschen und Politik genau beobachtet?
Umgekehrt: Schlafen in biblischer Sprache bedeutet
– seinen Illusionen oder dem Kopfkino nachhängen,
also nicht bei der Sache sein.
– Oder: Die Wirklichkeit schön-reden oder schön-sehen.

„Bleibt wach!“ kann also auch Mahnung sein, der Zeigefinger –

Johannes der Täufer zeigt zum Horizont und mahnt zugleich:
*  Wir haben Corona nicht im Griff. Planungen sind begrenzt.
Voraussagen schwer. Unsere Hände sind leer.
* „Bleibt wach!“ Damit Ihr nicht versäumt, wenn Christus euer
Herz berührt, eure Liebe und Vertrauen ankommt,erwidert wird.
Wenn Ihr glaubt, da kommt was vom „hinter´m Horizont“,
und lichtet eure Depressivität.
* Und wenn das ausbleibt, wenn nichts geht?

„Bleibt wach!“ – Haltet durch!  Bleibt Christus treu.
Unter Nr. 380 im Gesangbuch „Großer Gott, wir loben dich“ steht ein Satz des Theologen Karl Rahner: „Glauben heißt, die Unbegreiflichkeit Gottes ein Leben lang aushalten.“
Mahnung: Bleibt wach – vielleicht so: Bleibt konzentriert auf das, was hinter´m Horizont ist: Liebt es, sucht es, bleibt dran.
Bleibt treu – Dunkelheiten gehören dazu.
Was hinter´m Horizont lauert, was wir im Advent als Geburt Jesu vorbereiten und als Erwartung seines Wiederkommens am Ende –
das kann ein anderes Bild von Sieger Köder ausdrücken;
wir haben es schon einmal im Gottesdienst betrachtet –

Hinter´m Horizont und doch am Anfang und Ende ist Gottes Liebe,
mit der Jesus in uns „vernarrt“ ist – so habe ich es hier mal genannt. In aller strahlender Schönheit und Herrlichkeit am Ende des Horizonts auf ewig,
Nicht ausgeschlossen kommt diese Liebe und Treue Gottes in aller Bescheidenheit als Liebeswerbung, als „Brautwerbung“ Jesu in einer kleinen Rose. Dafür lohnt sich jede Mahnung: „Bleibt wach!“

AMEN.

© Pfr. Wolfgang Braun