Predigt am 1. Weihnachtsfeiertag

Liebe Weihnachts-Gemeinde,

beim Wort „Wort“ denke ich an das miteinander sprechen. Ganz einfach.

Hinter´m Sprechen mit Worten steckt aber mehr.

Viel mehr:

* Ein Wort kann motivieren und begeistern, lähmen und ängstigen.

* Worte formen sich zu Gedanken im Kopf, es entstehen Haltungen,

sie bestimmen Gefühle und prägen u.U. unsere Lebenseinstellung.

* Man sieht es z.B. bei den sog. „social media“:

Worte stacheln auf, verstärken Hass und können zu Gewalt führen – als Negativbeispiel.

Johannes sagt im Evangelium: Am Anfang war das Wort. Das war Gott.

In diesem „Wort“ steckt alles – im Griechischen heißt es Logos – die Logik,

der Sinn, der Zusammenhang der Welt.

Schon das mahnt nebenbei zur Vorsicht im Umgang mit Worten. Wenn in jedem Wort Gott mitschwingt. – Beispiel:

° Wer mit Corona-Maßnahmen fremdelt, wird schnell Leugner oder eiskalter Verschwörer genannt.

° Wer die Rolle der Frau in der Kirche klassisch sieht, wird als „Menschenverachter“ eingestuft. –

Und wer über die Rollenverteilung Mann – Frau nachdenkt, ist „Gender-Ideologe“.

Ein Wort eher aus der rechtsradikalen Szene.

Wird Gott in einem Menschen geboren, kommt das Ganze im Menschen zur Welt.  Was bedeutet das?

Es zeigt mir, worauf das Ganze hinausläuft: auf uns Menschen.

Spricht Gott, entsteht das Ganze als Schöpfung.

Der ganze Sinn entwickelt sich in der Evolution.

Gott spricht. Schöpfung wird.

Das entwickelt sich zur schönsten und höchsten Form in der Vereinigung Gottes mit einem Menschen. Die ganze Welt Gottes versammelt sich in Jesus. Das kann nur eine Welt der Liebe sein,

die sich zum Menschen hin entwickelt und ihm zuneigt, so lange, bis er im Menschen angekommen ist – dann sagt Gott „Du“ und der Mensch kann von Gott her „Ich“ sagen.

Da begegnen sich Gott und Mensch im Fleisch.

Auch in uns. Dafür steht Jesus. An diese Möglichkeit, die Gott in jeden Menschen hineingesagt hat, erinnert uns Jesus und ermutigt uns, das zu leben.

Das kann heißen:

* Jesus spricht uns Gott auch heut und hier zu.

Er kommt in seine Welt und lebt als Gast und zugleich gast-freundlich.

* Gott, bleibt auch, nachdem dein Wort Fleisch geworden ist, ein Geheimnis.

Da fehlen uns oft die Worte. Wir sollten vorsichtig über ihn sprechen, wenn nicht lieber schweigen.

* Vielleicht spricht Gott, wenn er schweigst – im Krieg, Schicksal, Gewalt, im Glauben, der schwindet;

in dem, was einem ohnehin die Sprache verschlägt.

* Gott spricht und lebt immer noch in der Welt, weil er sich  in Jesus bereits in der Welt ausgesprochen hat.

* Vielleicht redet Gott, indem er sich mit uns und seiner Schöpfung weiter entwickelst.

* Vielleicht sollten wir unseren Erfahrungen mit ihm trauen und sie als solche sprechen lassen:

+ wenn Gott in unsere Freiheit kommt – in eine Freiheit, mit der sich Jesus an Gottes Wort gebunden hat;

+ oder in unserem Selbstbewusstsein, aber auch in unserer individuellen Brüchigkeit, den Verletzungen und Überforderungen durch andere oder durch das Ganze in der Welt.

+ oder wenn ein Mensch in seiner grenzenlosen Ahnung und Sehnsucht nach dem erlösenden Ende Mensch bleibt und Mensch wird.

Wie Jesus und in ihm.

AMEN.

© Pfr. Wolfgang Braun