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Heilig-Geist-Kirche

Wenn wir Gottesdienst / Eucharistie feiern wollen wir Gott und einander begegnen. Das wurde uns als Gemeinde klar, als wir um diese Frage gerungen haben. Zusammen mit der Künstelrin Gerlinde Beck haben wir ein Raumkonzept erarbeitet, das diese Erkenntnis umsetzt.

So drückt der 1999 neu gestaltete Innenraum unser Verständnis von Glauben und Kirche aus: Der Altar steht in der optischen Mitte. Das orangerote Rückwandkreuz ist geöffnet und sendet segnende Strahlenlinien über die Seitenarme und den Boden. Sie umfassen den Altar und alle, die da sind, vermitteln Geborgenheit und gehen doch hinaus in die Stadt, in die Welt.

Es ist das Faszinierende am Kirchenraum der „Heilig Geist“ – Kirche, dass alles seinen Sinn vom Wirken des Heiligen Geistes her bekommt. Was auf dem Altar geschieht, dem Tisch des Brotes, bekommt seine Bedeutung durch den Geist, den Christus uns durch sein Sterben geschenkt hat. Dieser Geist strahlt in den ganzen Kirchenraum hinein. Er spricht aus der Heiligen Schrift. Er entzündet mit die Kerzen, hört die Gebete und segnet das ganze Geschehen, so wie Jesus damals die Söhne und Töchter Gottes gesegnet hat (Mk 10, 13-16).

Die Künstlerin Gerlinde Beck verdeutlicht ihre Konzeption so:

Die Mittelachsenlinie des Rückwandkreuzes setzt sich in der Bodenzeichnung fort, verbindet den Altar – den Tisch des Brotes – symbolisch mit dem Kreuz und strahlt in den Kirchenraum hinein.
In der Bodenzeichnung wird spiegelbildlich das Kreuz der Rückwand reflektiert und die Strahlkraft des Altars ins Unendliche verdeutlicht. Die Strahlenlinien des horizontalen Balkens des Rückwandkreuzes erweitern sich über die schräg gestellten Wände in den Kirchenraum hinein und symbolisieren das „Allumfassende“.
Die das Kreuz umschließende Rückwand öffnet sich in Richtung Altar in den dreidimensionalen Raum, versinnbildlicht das Mysterium des Heiligen Geistes, untrennbar mit der Dreieinheit verbunden und präsent für die Versammlung um den Tisch des Brotes, Mittel- und Bezugspunkt des ganzen Raumes.
Bänke und Stühle lassen den vertikalen Stahl von rotorange aus der Rückwand horizontal in Form der Sitzpolsterung über den gesamten Kirchenraum fließen, als Symbol, dass wir alle der Ausströmung des Heiligen Geistes teilhaftig sind.

Und so sehen Schüler unserere Kirche

„Es fällt auf, dass der Altar fast in der Mitte steht. Man spürt, hier ist wirklich das gemeinsame Andenken Jesu und das Feiern der Frohen Botschaft mit allen, sehr wichtig. Die Gemeinde und der Priester mit Ministranten sitzen hier zusammen in einem offenen Kreis; es gibt keine explizite Sonderstellung für den Kleriker. Die Helligkeit und das Licht der vielen Kirchenfenster bringt Freude und Wärme mit sich, in dem keine okkulten Rituale stattfinden (à la Gotik), sondern mit hellen, freudigen Gedanken Gott gefeiert wird.“

„Dass der Balinger Heilig-Geist-Kirchen-„Geist“ ein besonderer ist, merkt man schon beim Betreten der Kirche. Viele andere Kirchen, nicht nur alte, sondern auch moderne, sind in ihrer Einrichtung und Gestaltung so düster gehalten, dass Freude unerwünscht zu sein scheint. In Balingen ist dies nicht der Fall: Das lebendige Rot, das aus dem aufbrechenden Kreuz hervorquillt und sich über die Bänke ergießt, erfüllt die Kirche mit angeregtem Leben. Die gesamte Gemeinde wird erfasst vom Kreuz, sowohl am Boden als auch an der Altarrückwand. Auch die Strahlen gehen vom Kreuz aus in die Gemeinde und in die ganze Welt, mit ihnen auch der Heilige Geist. Alle dürfen an der Mahlfeier teilnehmen, was durch die runde Bankanordnung um den Altartisch bekräftigt wird. Niemand ist ausgeschlossen, jeder kann ans Zentrum treten – zum Altar. Im Vergleich zu anderen Kirchen kann man in Balingen von einer Gemeinschaft der Christen sprechen – das Halbrund wirkt freundlich, alle sind miteinbezogen. Auch der Pfarrer sitzt nicht fernab von seiner Gemeinde, sondern ist Teil von ihr. Die früher übliche Trennung in Frauen- und Männerseite wird durch die runde Ausrichtung erschwert. Die Kirche scheint vielmehr gebaut und renoviert zu sein für ganze Familien.“

(aus dem Grundkurs Religion 12. Klasse Gymnasium)