Katholische Kirchengemeinde Heilig Geist in Balingen

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Leitbild der Seelsorgeeinheit Balingen für ihre Kindergärten St. Franziskus, Edith Stein und St. Johannes

Eine Gruppe unter Leitung von Gemeindereferentin Marion Faigle hat ein Leitbild für unsere Kindergärten erarbeitet, das nach Beratung und Beschlussfassung im Kirchengemeinderat für unsere Kindergärten Gültigkeit hat.

Das Leitbild lag der Juni-Ausgabe 2008 des "Blick in die Gemeinde" bei.
Die Diözese Rottenburg-Stuttgart hat den Rottenburger Kindergartenplan verabschiedet. Aus ihm sind hier einige wichtige Punkte veröffentlicht. Die Diözese sieht die Kindergärten zuerst unter pastoralen, erst dann unter organisatorischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Im Jahr 2006 gab es in der Diözese 908 Kindergärten mit 2.155 Gruppen in der Trägerschaft von 578 Kirchengemeinden. Die Diözese hat 1.038 Kirchengemeinden.

Langfristig gesehen, ist der Kindergarten auf dem Weg zu einer alle Altersstufen von Kindern und deren Familien integrierenden und koordinierenden Einrichtungsform in Richtung gemeindliches Familien- und Bildungszentrum für Kinder und Familien.

Im Kindergartenjahr 2005/06 waren 5.166 MitarbeiterInnen in 2.256 Gruppen tätig.

Der Kindergarten wird von Politik und gesellschaftlichen Gruppierungen zunehmend als geeignetes Vehikel zur Lösung familialer, gesundheits-, arbeits- und bildungspolitischer Probleme angesehen, die ursächlich auf Fehlentwicklungen in anderen Handlungsfeldern zurückzuführen sind.

Parallel dazu ist ein Trend erkennbar, Verantwortlichkeiten, die bisher genuin von Eltern und Gesetzgeber wahrzunehmen sind, auf die Träger von Kindergärten und ihre Mitarbeitenden zu verlagern.
Der über Kirchensteuermittel finanzierte Anteil an den Betriebsausgaben belief sich im Jahre 2006 auf zirka 18 Millionen Euro und damit auf etwa 15 Prozent der Kirchensteuerzuweisungen. Bei der finanziellen Belastung gibt es allerdings sehr große Unterschiede. Manche Kirchengemeinden wenden für den Kindergarten über 30 Prozent der Kirchensteuerzuweisungen auf und liegen damit weit über ihrer finanziellen Belastungsgrenze.

I. Die katholischen Kindergärten
„Aufgrund ihres Selbstverständnisses, den Menschen, besonders den Kindern, ein Leben in Fülle zu ermöglichen und die Familien zu unterstützen, sieht es die katholische Kirche mit ihren Gemeinden und ihren Einrichtungen der Caritas als theologische, pädagogische und politische Verpflichtung an, die Qualität in den Tageseinrichtungen zu fördern, zu entwickeln und zu sichern."

„Der Kindergarten in kirchlicher Trägerschaft ist ein Ort in der Pfarrgemeinde, an dem die Kirche den Lebensverhältnissen von Kindern und Familien konkret begegnet."

Christlich motivierte Grundüberzeugungen und Motive der pädagogischen Fachkräfte und des Trägers müssen zu einem durchgän­gig erlebbaren Handlungsmuster werden. In der Arbeit mit den Kindern, in der Partner­schaft mit Eltern, in der Art und Weise des Umgangs innerhalb des Teams, in der Art des Umgangs des Trägers und der Kirchenge­meinde mit dem Kindergarten sowie in der Verantwortung der Diözese - in allen Berei­chen des Handelns soll eine christliche Grund­einstellung spürbar werden.
Die religiöse Dimension zeigt sich auch in einem Bildungsverständnis auf der Basis eines christlich biblischen Menschenbildes. Dies sieht den Menschen in den Spannungs­feldern zwischen Personalität und Sozialität, zwischen Spiritualität und Materialität und zwischen Immanenz und Transzendenz.

Katholische Kindergärten sind Lebens- und Wirkorte der Kirchengemeinde. Deshalb sind sie auch in die pastoralen Konzepte und in die pastorale Arbeit der Gemeinden eingebunden.

Die Situation der Familien und speziell der Eltern ist im Blick auf Religion also zum einen dadurch bestimmt, dass die traditio­nellen Formen der christlichen Religion innerhalb der veränderten und weitgehend fremdbestimmten Alltagswelt verloren haben, dass zum anderen jedoch der Bedarf nach religiöser Orientierung und Beheima­tung offensichtlich wächst.

Der Aufbau einer Erziehungs- und Bildungs­partnerschaft zwischen Eltern, pädagogi­schen Mitarbeitenden des Kindergartens und Seelsorgerinnen und Seelsorgern muss als eine der zentralen Aufgaben von Kinder­gärten und Kirchengemeinden begriffen werden. Sie soll jedoch nicht als Partner­schaft um ihrer selbst willen gesehen wer­den, sondern steht im Dienst der gemeinsa­men Verantwortung für das Kind.
Eltern sind Experten für die Lebenssituation und das Erfahrungsfeld des Kindes. Diese Sichtweise bildet die Grundlage für eine partnerschaftliche Kooperation. Eltern gebührt dabei Respekt und Wertschätzung.
Alle tragen gemeinsam Verantwor­tung für die bestmögliche Entwicklung und Förderung des Kindes. Eltern werden daher an allen Prozessen, die ihre Kinder betreffen, umfassend beteiligt, übernehmen Mitverant­wortung für die Arbeit des Kindergartens und gestalten diese aktiv mit.

II. Kinder haben ein Recht auf Religion
Mit diesem Recht des Kindes auf Religion korrespondiert das Recht des Kindes auf Religionsfreiheit. Dieses muss auch im Kin­dergarten selbstverständlich gelten.

Eine religiöse Bildung und Erziehung...

• ...muss Rahmenbedingungen schaffen, damit Kinder und Familien die lebensbe­jahende Botschaft Jesu Christi erfahren können. Hieraus verbietet sich eine Ver­knüpfung mit Angst erzeugenden oder strafenden Erziehungsmethoden.
• ...begründet Werte und ermöglicht eine angemessene Werteorientierung.
• ...bietet Sinn an und macht sich gemein­sam mit den Kindern auf den Weg, Ant­worten auf die Grundfragen menschli­chen Lebens zu finden. Hierbei bestärkt und ermutigt sie Kinder und zeigt, dass die Welt einen Sinn und jeder Mensch einen eigenen unverlierbaren Wert hat.
• ...unterstützt die Wahrnehmung der Kin­der, dass es "mehr gibt als alles" und öff­net den Raum zum Transzendenten, zur Mystik, zur Fantasie, zur Kreativität und zu Gott.
• ...bietet die Möglichkeit der Erfahrung von Gemeinschaft, indem gemeinsam gebetet, gesungen, gefeiert, miteinander gelebt wird, indem Fragen diskutiert, Kon­flikte ausgetragen werden, wobei sichtbar wird, woran alle glauben und was für alle maßgebend ist.
• ...bietet Muster für ein sinnvolles, identi­tätsstabilisierendes und gemeinschafts­stiftendes Handeln an.

Gott ist nicht einfach Mensch geworden - er ist Kind geworden. Wer Gott ist und dass sich Gott den Menschen zuwendet, erfährt das Kind, wenn wir von Jesus, seinem Leben und Handeln erzählen. Dabei gilt, dass Glau­be nicht einfach Ergebnis einer bestimmten Erziehung ist. Glaube ist eine lebendige Beziehung zwischen Gott und dem Men­schen. Dies soll das Kind erfahren: Gott kennt und liebt mich als sein Gegenüber und von ihm bin ich angenommen und gewollt.


III. Was den katholischen Kindergarten ausmacht
Unabhängig von ihrem jeweiligen Einzugs­gebiet zeichnen sich katholische Kindergär­ten dadurch aus, dass...
• ...Kinder aus ärmeren, benachteiligten oder gar diskriminierten Familien über­durchschnittlich vertreten sind.
• ...Kinder in ihren unterschiedlichen Ent­wicklungsphasen intensiv gefördert wer­den, insbesondere diejenigen, bei denen die Chancengleichheit nicht gegeben ist.
• ...alle Kinder mit ihren Stärken und Schwä­chen, ihren unterschiedlichen körperli­chen und geistigen Möglichkeiten und Einschränkungen aufgenommen und integriert werden.
• ...in den Kindergärten ein wertschätzender Umgang gepflegt wird, gerade auch gegenüber Eltern, die beruflich oder gesellschaftlich wenig Ansehen haben.
• ...die Aufnahme von Kindern nicht am geringen Vermögen ihrer Eltern, die den Beitrag nicht bezahlen können, scheitert.

Dieser Artikel wurde zuletzt geändert am 24. 02. 2012